
„Dein Leberkäse Gustl ist lila.“ Ein Satz meines Produzenten, der mir noch heute einen Schauer über den Rücken jagt. Ich war neu in der Lebensmittelproduktion. In diesem Telefonat fühlte sich meine fehlende Erfahrung nicht wie eine Lernkurve an, sondern wie ein möglicher Beweis, dass ich hier nichts verloren hatte.
Zwei Jahre hatte ich an meinem ersten Produkt Gustl gearbeitet. Verkostet. Verworfen. Neu entwickelt. Über Konsistenz diskutiert, über Gewürze, über die perfekte rosa Farbe. Ich hatte mich in eine Branche hineingearbeitet, die nicht meine war. Bissen für Bissen. Und zu diesem Zeitpunkt war Gustl bereits im Verkauf.
Dann dieser Nachsatz: „Jetzt heißt’s warten. Bis zum nächsten Produktionslauf.“
Sieben Tage.
Sieben Tage, in denen mein erstes Produkt im Regal lag und ich nicht wusste, ob ich es erklären, rechtfertigen oder vielleicht sogar wegen dieser Farbe zurückholen müsste.
Warten.
Ein Wort, das vernünftig klingt. Geduld als Tugend verkauft, besonders in unsicheren Zeiten. Aber wenn dein erstes Produkt am Markt ist, fühlt sich Warten nicht nach Vernunft an. Sondern nach Ohnmacht.
Man sitzt da. Und hofft.
Es brannte mir unter den Fingernägeln.
Geduld ist keine meiner Stärken. Stillstand schon gar nicht. Doch in der Produktion konnte ich in diesem Moment nichts beschleunigen. Einmischen hätte nichts verändert. Nervös war ich ohnehin schon. Ich war keine Fleischerin. Keine Lebensmitteltechnologin. Ich arbeite eng in der Produktentwicklung mit. Aber mein größter Einfluss liegt woanders.
Also habe ich mir mein Spielfeld gesucht.
Ich bin in die Produktion gefahren und habe dort drei Tage verbracht. Nicht nur, um die Farbe zurückzudrehen, sondern um Fragen zu stellen, zu dokumentieren und sichtbar zu machen, wie Handwerk wirklich aussieht. Ich wollte unsere Community mitnehmen. Auch durch diesen Fehler. Vertrauen entsteht nicht im Hochglanzprospekt, sondern hinter den Kulissen.
Danach habe ich geschrieben. Einen Fachartikel über das, worüber man selten spricht: dass Produktion nicht immer glatt läuft. Dass Fehler dazugehören.
Und ja, an den letzten beiden Tagen habe ich ein Etikett für den lila Leberkäse Gustl entworfen. Halb im Spaß, halb als Absicherung.
Während andere warteten, habe ich gearbeitet. Auf meinem Feld.
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