
Ich war nicht als Unternehmerin vorgesehen.
Nicht, dass mir etwas gefehlt hätte.
Sondern weil dieser Gedanke in meiner Welt nicht vorkam.
An dem Esstisch meiner Kindheit ging es um Verlässlichkeit.
Um Arbeit, die man ordentlich macht.
Um Geld, das man für das Haus ausgibt,
für die Kinder,
für den nächsten Tennisurlaub.
Es ging nicht um Möglichkeiten.
Nicht um Risiken.
Und nicht um die Frage,
was man aus sich machen könnte,
wenn man beruflich mehr wagt als vorgesehen.
Ich komme aus einer Arbeiterfamilie.
Dort ist Sicherheit kein Wunsch –
sie ist Voraussetzung.
Viele Jahre später saß ich wieder an diesem Tisch.
Mit Zahlen vor mir.
Mit einem Businessplan, der trug.
Und mit der Gewissheit,
dass meine Idee auf dem Papier wirtschaftlich Sinn ergibt.
Und trotzdem war da Widerstand.
Nicht im Kopf.
Sondern im Bauch.
In diesem Moment wurde mir klar:
Ich überschreite eine Grenze.
Ich erinnere mich an den Blick meiner Eltern,
als ich ihnen meine Entscheidung mitteilte.
Schock.
Nicht ablehnend.
Besorgt.
Es war derselbe Blick wie damals,
als ich als aufgewecktes Kind auf einen zu hohen Baum geklettert bin
und springen wollte.
Der Unterschied:
Damals stand jemand unten.
Diesmal nicht.
Ich saß noch lange da und fragte mich zum ersten Mal,
ob Wollen wirklich reicht.
Als ich die 50.000 Euro
auf das Konto meiner späteren Pflanzerei überwies,
war mir schmerzhaft bewusst,
was das bedeutet.
Mein Erspartes.
Meine Verantwortung.
Meine Konsequenzen.
Einziges persönliches Sicherheitsgefühl?
Meine akademische Ausbildung als Betriebswirtin
und jahrelange Berufserfahrung in Führungspositionen bei Non-For-Profit Organisationen.
Doch ich wusste, was ich wollte.
Also begann ich.
Ich entwickelte einen Prototyp.
Einen pflanzlichen lila Leberkäse – GUSTL.
Ich kaufte ein Foodbike
und stellte mich auf Europas größtes veganes Foodfestival.
An allen drei Tagen war der GUSTL ausverkauft.
Erst danach entstand Die Pflanzerei und mein
Bauchgefühl entspannte sich vorerst.
Der Beweis war da.
Aber der Weg war es nicht.
Ab da war ich nicht mehr nur Unternehmerin –
sondern jemand, der Entscheidungen auch dann trägt,
wenn sie niemand sonst betreffen.
Ich traf Entscheidungen,
für die es keine Vorbilder gab.
Ich baute mir ein Netzwerk auf
und eignete mir an,
was man in Angestelltenverhältnissen zuvor nicht gelernt hatte.
Unternehmerin zu sein heißt für mich,
an meinen eigenen Ideen zu arbeiten.
Ohne auf Bestätigung zu warten.
Ohne doppelten Boden.
Auch heute,
mehr als 50 Produkte später,
gibt es keinen Erfahrungsschatz aus Generationen,
auf den ich zurückgreifen könnte.
Ich entscheide trotzdem.
Als Erste in meiner Familie.
Ich war nicht als Unternehmerin vorgesehen.
Aber ich habe gelernt,
dass man nicht vorgesehen sein muss,
um loszugehen.
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Kontakt: nadina.ruedl@die-pflanzerei.at

