
„Was sagen dann die anderen?“
Diese Frage hat mich jahrelang begleitet. In Gesprächen – und in der Stimme, mit der ich mit mir selbst rede.
Was sagen sie, wenn ich plötzlich kündige? Mich selbstständig mache? Einen Messestand buche – für meinen veganen Leberkäse, auf der größten veganen Messe Europas, ohne zu wissen, ob überhaupt jemand etwas kauft?
Was, wenn sie’s schräg finden?
Unprofessionell?
Manche fanden’s schräg.
Andere haben gelächelt – oder einfach weggeschaut.
Aber ich hab’s trotzdem gemacht.
Weil ich etwas verstanden hab:
Irgendwer wird immer etwas sagen.
Die eigentliche Frage ist:
Wem hörst du zu – ihnen oder dir?
Mein persönlicher Wendepunkt
Die Idee war da: pflanzliche Fleischklassiker – gemeinsam produziert mit traditionellen Metzgern und regionalen Landwirt:innen. Ich stand in der Küche, kritzelte Rezepte auf Zettel, telefonierte mit Betrieben, von denen manche nicht wussten, ob sie lachen oder auflegen sollen.
Und je konkreter es wurde, desto lauter wurde es –
nicht draußen, sondern drinnen.
Kann ich das bringen? Leberkäse – vegan?
Was, wenn mich niemand ernst nimmt?
Doch unter allem lag eine größere Frage:
Wie können wir das, was wir lieben – unser Essen, unsere Esskultur – bewahren, ohne dass jemand den Preis dafür zahlt?
Nicht die Tiere. Nicht die Umwelt. Nicht wir selbst.
Ich war Feuer und Flamme – und gleichzeitig panisch.
„Was werden die anderen sagen?“, fragte ich mich.
„Wer braucht denn so was?“, sagten andere.
Aber mein Brennen für eine andere Art zu wirtschaften – eine, die Gegensätze verbindet –
ließ mich nicht los.
„Muas da wurscht sein“, sagte mein Bauch.
Also hab ich’s gemacht.
Heute ist der GUSTL einer unserer beliebtesten Klassiker – und der erste vegane Leberkäse, der je über die Heiße Theke eines österreichischen Supermarkts verkauft wurde.
Drei Gedanken, die mich vom Grübeln ins Tun gebracht haben:
- Was ist mein echtes Warum – und warum lässt es mich nicht los?
Nicht jede Idee bleibt. Aber manche kommen wieder. Immer wieder.
Auch wenn du sie wegschiebst.
Und irgendwann weißt du:
Das bin ich. Ich kann nicht nicht hinschauen. - Was passiert, wenn ich’s laut ausspreche – meine Stimme, ihre Stimmen?
Manchmal reicht es, das Chaos hörbar zu machen.Laut denken.
Mit Menschen reden, die ehrlich sind – aber nicht entmutigend.
Und dann: Worst Case. Schwarz auf weiß niederschreiben.
Oft ist’s gar nicht so schlimm.
Und selbst wenn – ich könnte damit umgehen. - Was ist mein nächster Schritt – nicht mein perfekter Plan?
Du musst nicht alles wissen.Nur losgehen. Einen Schritt. Dann den nächsten.
Und plötzlich bist du mittendrin.
Wer etwas Neues macht, wird immer beäugt.
Aber genau da beginnt Veränderung.
Wartest du auf die Zustimmung von allen –
wartest du ewig.
Hörst du auf dich – passiert etwas.
Vielleicht nicht sofort. Aber echt.
Also: reden lassen. Und machen.
Oder in meinem Fall:Wurschteln statt warten.
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Kontakt: nadina.ruedl@die-pflanzerei.at

